So langsam wird es heiß – in der Organisations-Zentrale. „Ich brauche Leute, die selbstständig denken können!“, fenstert uns meine Kollegin, was meine Chefin ist, entgegen. Darüber will ich lieber nicht nachdenken.
Weil ich auch zur ersten Abordnung aus Lügde gehörte, die im April 1990 nach Angermünde gefahren ist, soll ich darüber eine Geschichte schreiben. Hm, wie war denn das noch gleich? Mit einem VW-Bulli sind wir
- Dieter Will, der damalige Stadtdirektor,
- Bernd Arens, der damalige Bürgermeister,
- Walter Bicker,
- Fritz Schäfsmeier,
- Eduard Stumpe,
- Helmut Ameler,
- und ich
angereist. Das erste Treffen mit der Angermündener Abordnung fand in einem Raum im ersten Obergeschoss des Rathauses von Angermünde statt. Ich muss heute noch grinsen, wenn ich mir die Bilder von dem baufälligen Gebäude in Erinnerung rufe. Darf ich das so schreiben, frage ich mich.
Ein kurze Rückfrage bei Wolfgang Krakow, dem Bürgermeister von Angermünde: „Klar kannst du, das war doch so.“ Ich erzähle ihm von meinen ersten Eindrücken. Die Fassaden einiger Häuser waren schön, doch sobald man in die Seitengassen schaute, fühlte man sich an die Redewendung erinnert: Alles nur Fassade. „1983 hatten wir die 750-Jahr-Feier. Aus diesem Anlass wurden viele Haus-Fassaden gestrichen“, erklärt mir Wolfgang Krakow. „Das war zu DDR-Zeiten über lange Jahre das Verständnis von Sanierung: Vorn wird gestrichen, von hinten werden Stützbalken gestellt.“ Ich lache. „Wann warst du eigentlich zuletzt in Angermünde, mein Freund?“, fragt mich Wolfgang Krakow mit einer leicht provozierenden Note. Ertappt. Wir tauschen noch kurz einige Anekdoten aus und selbstverständlich werden wir uns sehen - an dem Wochenende. „Wenn man will, geht alles“, lässt er mich in Anspielung auf seine Frage noch wissen.
Dieter Will, der damalige Stadtdirektor, ruft zurück. Er bestätigt mir mit der für ihn typischen, sympathischen Lache: „Ja, Walter Bicker ist schuld. Er hat Angermünde ins Spiel gebracht.“ In wenigen Minuten berichtet mir Dieter Will, welche Überlegungen es damals in der Politik gegeben hat. „Ich könnte das ja jetzt alles schreiben, aber es wäre doch viel besser, wenn Sie das tun. Zum einen, weil Sie die ganzen Hintergrundinformationen haben und zum anderen, weil Sie ein Rhetoriker vorm Herrn sind.“ Wieder lacht er. Dabei erinnere ich mich an seine Rede, die er damals im Rathaus von Angermünde gehalten hat. Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass die jemand hätte toppen können. „Eigentlich schreibe ich ja keine Reden, ich halte sie aus der Situation heraus. Aber gut, ich werde Ihnen einen kleinen Text schreiben.“
Mir fällt ein, dass ich mal in meinem privaten Fotoarchiv suchen muss. Damit lassen sich bestimmt einige Erinnerungen besser ausleuchten. Zum Beispiel die Geschichte mit dem Fotoapparat, den ich für die erste Reise nach Angermünde vom Bauamt in die Hand gedrückt bekommen habe...
[Text: Volker Thiele]